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Abnutzungskampf unter Freunden

Zwei Herzen in der Brust: Türkgücü-Ataspor-Trainer Andreas Pummer beim Bayernligaspiel gegen seinen ehemaligen Klub FC Unterföhring.

(Foto: Claus Schunk)

Türkgücü-Ataspor schlägt Unterföhring mit 1:0. Für Türkgücü-Trainer Andreas Pummer, einst in Föhring, ist es ein besonderes Spiel.

Von Stefan Galler, München/Unterföhring

Nicht nur für den Coach war das ein besonderes Spiel: Beim Bayernligaderby am späten Sonntagnachmittag trafen gleich eine ganze Reihe von ehemaligen Unterföhringern in Reihen des SV Türkgücü-Ataspor auf ihren früheren Verein: Arbnor Segashi, Maasaki Takahara und nicht zuletzt Kapitän Yasin Yilmaz – sie alle schnürten ihre Kickstiefel früher für den FCU. Und unter der Leitung von Andreas Pummer war Föhring 2017 in die vierthöchste Spielklasse geklettert. Der Trainer hatte eine “heikle Aufgabe” erwartet und “dass es kein schönes Spiel wird”. Der Türkgücü-Coach sollte mit seiner Prognose richtig liegen: Es war ein umkämpftes Spiel mit nur wenigen Torszenen, letztendlich setzte sich der Tabellenführer und Favorit mit 1:0 (1:0) durch. Das entscheidende Tor gelang Dominik Schmitt bereits in der 20. Minute, nachdem kurz zuvor Malcom Olwa-Luta die Unterföhringer beinahe in Führung gebracht hätte. Die Türken blieben in der Folge feldüberlegen, abgesehen von Fernschüssen von Stephan Thee, Pablo Pigl und Yilmaz jedoch eher harmlos. Das galt auch für den FCU, die beste Chance zum Ausgleich hatte Andreas Faber per Freistoß (62.).

Nach Pummers Weggang aus Föhring ist das Verhältnis zu Präsident Faber etwas abgekühlt

Nach wie vor hegt der 36 Jahre alte Pummer große Sympathien für seinen ehemaligen Verein, den er in der Saison 2016/17 in die Regionalliga geführt hatte. Das Verhältnis zu FCU-Präsident Franz Faber sei nach seinem Wechsel zu Türkgücü etwas abgekühlt, das räumt Pummer ein. Dennoch habe man immer noch regelmäßig Kontakt. Er selbst habe sich nichts vorzuwerfen: “Ich habe immer mit offenen Karten gespielt und als ich das Angebot von Türkgücü damals angenommen habe, war noch keine Rede davon, dass Unterföhring einen möglichen Regionalligaaufstieg tatsächlich wagen würde”, sagt Pummer. Nachdem diese Entscheidung gefallen sei, habe er dann “120 Prozent gegeben, damit ich mich ordentlich verabschieden konnte”.

Er sei den Unterföhringer Verantwortlichen, namentlich Franz Faber und dem früheren Technischen Leiter Manuel Prieler zu Dank verpflichtet, “dass sie in meinem Alter so viel Vertrauen in mich gesetzt haben”. In Föhring habe er sich schließlich den Namen machen können, der ihn zu dem ambitionierten Projekt Türkgücü-Ataspor gebracht hätte.

Bislang erfüllt der Trainer seinen Auftrag: Nicht nur, dass er den ambitionierten Klub als Meister der Landesliga Südost souverän in die Bayernliga geführt hat; auch hier ist Türkgücü bisher voll auf Kurs: 40 von 48 möglichen Punkten hat man gesammelt, der Vorsprung auf den Tabellenzweiten TSV Kottern beträgt nach dem Ende der Vorrunde bereits neun Punkte.

Dabei ist es keineswegs ein Selbstläufer, einen derart hochfrisierten Kader in die Erfolgsspur zu bringen – und dem Erfolgsdruck standzuhalten, immerhin will der Klub spätestens nächste Saison in die Regionalliga aufsteigen. In der Transferphase im Sommer veränderte sich das Gesicht des Kaders andauernd, die Hierarchie wurde immer wieder durch die Verpflichtung prominenter und ehemals höherklassig tätiger Balltreter durcheinander gewirbelt. Mittendrin der Trainer, dem die undankbare Aufgabe zufiel, aus der Ansammlung hochtalentierter Kicker eine Mannschaft zu formen. Er schaffte das, indem er einerseits mit der ihm eigenen Lockerheit und andererseits gnadenlos ehrlich an die Spieler herantrat. Pummer ist es wichtig, die starke Vorstellung seines Teams in der ersten Saisonhälfte nicht nur auf seine eigene Arbeitsweise zurückzuführen: “Mein Trainerteam ist der absolute Hammer, angefangen bei Daniel Jungwirth, der einen super Draht zu den Spielern hat, über Alper Kayabunar, der ganz nah dran ist an den Älteren, bis hin zu unserem Torwartcoach Michael Hofmann.”

Außerdem habe die Mannschaft einen ausgezeichneten Charakter, wie Pummer betont, Eitelkeiten würden keine Rolle spielen: “Da trägt jeder mal die Trinkflaschen oder die Bälle, nicht nur die Jüngeren.” Diese Einstellung lasse sich auch auf das Geschehen am Platz projizieren, so wie am Sonntag gegen Unterföhring: “Früher haben die Jungs immer versucht, alles spielerisch zu lösen. Mittlerweile wird auch mal gegrätscht und gekämpft”, sagt Pummer und nennt zwei Beispiele: “Schon unglaublich, wenn Spieler wir Stephan Thee oder Ünal Tosun mit ihren fußballerischen Fähigkeiten arbeiten wie Maschinen.”

Auch wenn die Ausgangsposition gut ist, will sich der Trainer “nicht blenden lassen”, schließlich warteten noch “viel Arbeit und viele Spiele” auf ihn und sein Team. Er hofft, dass sich das Gesicht des Kaders im Winter nicht wieder radikal verändere, doch zwischen den Zeilen klingt durch, dass Pummer auf solche Entscheidungen nicht immer Einfluss hat. Teammanager Kadir Alkan hat den Verein verlassen, nun ist Vorstand Hasan Kivran sein direkter Ansprechpartner. Pummers Engagement ist bis Saisonende datiert, bislang gab es kein Gespräch über eine mögliche Fortsetzung des Engagements. Für den Trainer ändert das nichts an seiner Motivation: “Ich gebe immer alles.”