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Drittbeste Münchner Mannschaft hat kein eigenes Stadion

Sie jubeln derzeit in Heimstetten: Weil es in der Stadt kein geeignetes Stadion gibt, kicken die Spieler des SV Türkgücü München momentan im Exil. Foto: imago/Lackovic

Der SV Türkgücü stellt aktuell die drittbeste Mannschaft Münchens. In der Stadt selbst gibt es für den Verein aber keine Spielstätte.

München – Vergangenen Sonntag gab’s den nächsten Sieg: ein knappes 1:0 über den abstiegsbedrohten FC Ismaning. Der SV Türkgücü hat diese Saison sicher schon überzeugendere Spiele abgeliefert. Aber trotzdem: Mit diesem Ergebnis führt der Club nun mit elf Punkten Vorsprung die Bayernliga Süd an.

Sollte das so weitergehen, ist der Aufstieg eigentlich nur noch Formsache. Der SV Türkgücü würde nächste Saison dann in der Regionalliga Bayern spielen – der vierthöchsten Spielklasse in Deutschland. Das ist schön für den Verein, bringt die Stadt aber in eine gewisse Verlegenheit.

Der SV Türkgücü spielt in Heimstetten

Schon vor dieser Saison musste das städtische Sportreferat den SV abweisen. Für einen höherklassigen Amateurverein gibt es in München momentan einfach keine geeignete Spielstätte. Das Grünwalder Stadion? Mehr als ausgebucht. Das Dantestadion? Inzwischen Heimat des American Football. Und das Olympiastadion? Vielleicht dann doch eine Nummer zu groß.

Türkgücü trägt seine Heimspiele deshalb derzeit im Sportpark Heimstetten aus, vor gut 300 Fans. Aber die aktuell drittbeste Münchner Fußball-Mannschaft im Exil? Das kann irgendwie auch keine Dauerlösung sein.

Kürzlich hat sich deshalb sogar Rainer Koch in die Debatte eingeschaltet – Präsident des Bayerischen Fußballverbands und Vize-DFB-Chef. “Nicht gut”, sagte Koch. Kein Amateurstadion in ganz München? Daran müsse die Stadt dringend arbeiten.

Müssen die Damen des FC Bayern aus dem Grünwalder?

Im Rathaus sieht man das inzwischen ähnlich. Sie wolle nicht, dass es so laufe wie in Pullach, sagt CSU-Stadträtin Ulrike Grimm. Der dortige SV hatte sich 2017 sportlich für die Regionalliga qualifiziert, erfüllt mit seinem Stadion aber nicht die Vorschriften. Man müsse deshalb alle Optionen prüfen, findet Grimm. Auf dem Bayern-Campus gebe es schließlich auch ein Stadion. Vielleicht könnten dorthin die Damen des FC Bayern – durchschnittlich haben die mehr als 400 Zuschauer – ausweichen. Dann wären im Grünwalder Stadion wieder Spielzeiten frei. Und wenn es gar nicht anders gehe, müsse man über den Bau eines Stadions nachdenken.

Bevor nun aber tatsächlich Beton angerührt werden muss, will das Sportreferat noch einmal die Option Grünwalder Stadion prüfen. Man sei bestrebt, für die kommende Saison eine Lösung zu finden, heißt es dort. Auch mit Türkgücü stehe man dazu im engen Austausch.