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Ein Bild von einem Vorzeigeverein

Türkgücü-Ataspor will wieder eine größere Rolle im Münchner Fußball spielen, so wie früher in der Bayernliga. Doch es gibt Beschwerden über das Abwerbeverhalten des Klubs.

Von Stefan Galler

Andreas Pummer weiß, worauf er sich einlässt: „Natürlich ist mir bewusst, was man von mir erwartet“, sagt der neue Trainer des SV Türkgücü-Ataspor München. „Wenn es nicht taugt, kann ganz schnell die Reißleine gezogen werden.“ Pummer hat zuletzt den FC Unterföhring in die Regionalliga geführt, zum ersten Mal in dessen Vereinsgeschichte. Bereits im Winter, als der Föhringer Coup zwar in der Luft lag, aber noch lange nicht absehbar war, hat sich der 34-Jährige für einen Wechsel in die Landesliga entschieden. Beim türkischen Klub Türkgücü-Ataspor, der 2009 aus einer Fusion entstand und auf einer Bezirkssportanlage an der Heinrich-Wieland-Straße ansässig ist, träumt man davon, wieder eine gewichtige Rolle im Amateurfußball zu spielen. So wie das in den Achtziger- und Neunzigerjahren als Türk Gücü München der Fall war. In den vergangenen Jahren fiel der Klub aber vor allem durch ständige Veränderungen auf.

Spieler, Trainer, Funktionäre – kaum einer blieb länger als eine Halbserie. In der abgelaufenen Saison verschliss der SV vier Trainer: Vitomir Moskovic, Kadir Alkan, Rainer Elfinger und in der Endphase der Saison Alper Kayabunar. Trotzdem wurde Türkgücü Sechster – die beste Platzierung seit dem Aufstieg aus der Bezirksliga im Sommer 2013. Nicht nur Pummer hofft, dass auch durch seine Verpflichtung etwas mehr Ruhe einkehrt. „Mittlerweile herrschen sehr klare Strukturen. In den vergangenen Jahren wurde schon viel im Klub bereinigt, viele Leute, die sich wichtig gemacht haben, sind jetzt weg“, sagt der Trainer, der selbst nur zwei Vorgesetzte anerkennt: Präsident Hasan Kivran und Teammanager Kadir Alkan.

München: FUSSBALL LANDESLIGA - Türkgücü-Ataspor v TSV Kastl
Möchte an vergangene Tage anknüpfen: Der Landesligist Türkgücü Ataspor.

(Foto: J. Simon)

Kivran hat schon im Sommer 2016 ein klares Ziel formuliert: 2020 möchte der Klub in der Regionalliga sein, mittelfristig sei auch die bundesweite Präsenz, also die dritte Liga, ein Ziel. Alkan bleibt da deutlich defensiver, er will Schritt für Schritt nach oben. Und funkt damit auf derselben Wellenlänge wie der neue Übungsleiter: „Wir haben eine völlig veränderte Mannschaft“, sagt Pummer, „da geht es zunächst einmal darum, dass sich die Spieler finden“. Auch in der Landesliga habe man nirgends schon vor dem Spiel gewonnen. „Dass wir da ohne weiteres durchmarschieren, können wir uns abschminken.“ Und doch stehen die Chancen gut.

Aus Unterföhring brachte Pummer gleich fünf Spieler mit. Der ehemalige Unterhachinger Profi Yasin Yilmaz, 28, begleitet den Coach ebenso wie Mittelfeldspieler Yakub Dora, 25, und Abwehrspieler Uwe Schlottner, 27, der beim FC Bayern ausgebildet worden ist. Zuletzt wurden noch die Wechsel von Ergänzungsspieler Christos Ketikidis, 21, sowie Spielmacher Tayfun Arkadas, 25, ehemals Jahn Regensburg, bekannt. Die Transfers erzürnten Unterföhrings Präsident Franz Faber, er griff Türkgücü-Kaderplaner Alkan scharf an und unterstellte ihm, schon seit dem Winter beim FCU „brutal herumzuwühlen“. Pummer bemüht sich um ausgleichende Worte. „Das ist ein heikles Thema. Ich kann nur sagen, dass ich zu Franz Faber ein total freundschaftliches Verhältnis habe.“ Er verstehe, dass man in Unterföhring nicht gerade begeistert von den Weggängen ist. „Aber Kadir Alkan macht halt einen super Job.“ Der Teammanager spüre förmlich, wenn ein Fußballer wechselwillig sei. So habe er auch den Transfer von Josip Tomic, 23, von 1860 Rosenheim fixiert: Als der Stürmer in der in der vergangenen Hinrunde nur sporadisch zum Einsatz kam, überredete ihn Alkan zu einem Wechsel am Saisonende. Im Frühjahr übernahm Tobias Strobl das Traineramt in Rosenheim, setzte voll auf Tomic. „Jetzt hätten sie ihn gerne behalten“, sagt Pummer.

 

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/muenchen/sport/fussball-landesliga-ein-bild-von-einem-vorzeigeverein-1.3568237

Text: Stefan Galler

Foto: J. Simon