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„Schlagen können wir uns eigentlich nur selbst“

Türkgücü setzt mit einem 6:0 ein erstes Zeichen der Stärke – deutlich wird aber auch die hohe Erwartung im Umfeld.

 

Das Spiel war schon ein Weilchen vorbei, da bekam Michael Hofmann doch noch etwas zu tun. Nicht dass der Schuss besonders schwer zu halten gewesen wäre. Aber immerhin war es ein Schuss auf sein Tor, als per Elfmeterschießen unter Vereinsmitgliedern für ein Jahr ein Auto verlost wurde. Davor war Hofmann am Sonntagnachmittag außerplanmäßig im Tor des SV Türkgücü-Ataspor gestanden. Der mittlerweile 44-jährige ehemalige 1860-Keeper ist eigentlich Torwart-Trainer bei dem ambitionierten Landesligisten. Doch da sich gleich beide Stammtorhüter verletzt hatten, musste Hofmann zum Saisonauftakt ran. Einen Torschuss abwehren musste er gegen den SV Manching nicht. 6:0 gewann Türkgücü und setzte so ein kräftiges Zeichen. „Auch wenn es hart ist, das Ergebnis ist auch in dieser Höhe gerecht“, gestand Manchings Trainer Andreas Thomas ein.

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Indianer unter Königen? Sean Erten, links beim lockeren Auftaktsieg gegen Manching, ist Teil des Luxuskaders, den sich Landesligist Türkgücü hält.

(Foto: Claus Schunk)

„So haben wir uns das vorgestellt“, betonte Dennis Vatany, Kapitän und Torschütze zum 2:0 für München. „Wir wollten von Anfang an Druck machen und zeigen, dass wir das, was über uns geschrieben wird, bestätigen können.“ Zu lesen und zu hören sind seit Wochen Aussagen wie jene von Michael Dietrich: Der Vorsitzende des Liga-Rivalen ASV Dachau sagte, der Verein aus dem Münchner Osten habe sich eine „Regionalliga-Mannschaft zusammengekauft“. Selten war die Frage nach dem Liga-Favoriten derart klar und eindeutig beantwortet worden; selbst Hofmann, der auf eine 16-jährige Profi-Karriere zurückblickt, sagte, er habe noch nie in einer derart favorisierten Mannschaft gespielt. Manching-Trainer Thomas sagte auf die Frage, ob das eine Landesliga-Mannschaft sei, ganz klar: „Natürlich nicht, das muss man auch ganz klar sagen.“ Dafür seien alleine die Einzelspieler zu stark. „Wenn sie im Kollektiv funktionieren, dann hat das mit Landesliga nichts zu tun.“

Dafür zu sorgen, ist die Aufgabe von Andreas Pummer. Der Trainer sprach von einem „super Start“ seiner Mannschaft, „wir haben sehr gut gearbeitet“. Am Schluss habe vielleicht ein bisschen die Spannung gefehlt, aber das sei bei den sommerlichen Temperaturen auch verständlich. Alles andere „wäre auch Jammern auf sehr hohem Niveau“. Was Pummer indes nicht gefällt, das ist, wie seine Mannschaft öffentlich seziert wird. Es sei verständlich, „dass wir unsere Favoritenrolle nicht wegdiskutieren können“, sagte er, es sei aber „schon auch bemerkenswert“, dass er in jeder Meldung „von irgendjemand“ etwas über sein Team lese. „Ich bin kein Fan davon“, stellte Pummer klar – und hatte auch einen Rat parat: „Die Leute sollen lieber auf sich selbst schauen.“ Das konnte man auch als Replik auf Cemal Günes verstehen, viele Jahre Pressesprecher und Vorstandsmitglied bei Türkgücü. Günes hatte vor Saisonstart erklärt: „Mit dem Kader, den der Trainer zur Verfügung gestellt bekommen hat, wäre alles andere als der direkte Aufstieg in die Bayernliga ein Misserfolg.“ Am Sonntag deutete Pummers Kader an, warum.

Yasin Yilmaz, der 67 Drittliga-Spiele vorweisen kann, eröffnete bereits in der achten Minute mit einem satten Linksschuss den Torreigen. Der euphorische Jubel ließ erahnen, wie groß die Erleichterung über die frühe Führung war. Nach der Pause legte Yilmaz zwei weitere Treffer nach, die restlichen Tore erzielte Geburtstagskind Josip Tomic – ebenfalls ein Neuer. Nach der Pause wechselte Pummer Sebastian Mitterhuber (87 Drittliga-Einsätze) und Michael Kokocinski (50 Spiele in der 3. Liga) ein. Tayfun Arkadas, einer von fünf Spielern, die mit Pummer aus Unterföhring kamen, war noch gar nicht dabei.

Es sei außergewöhnlich, dass der Verein so viele gute Spieler für die Landesliga gewinnen konnte, sagte Hofmann. Der Gefahr, die so ein Kader bergen kann, ist sich der Routinier bewusst: Viele hätten den Anspruch, König zu sein, „aber es braucht auch Indianer.“ Vatany meinte: „Schlagen können wir uns eigentlich nur selbst, indem wir überheblich werden und nicht das machen, was der Trainer vorgibt.“ Pummer denkt nicht so weit nach vorne. Es werde nicht immer so einfach sein wie gegen Manching, sagte er: „Es werden auch ganz andere Spiele kommen.“ Manchings Trainer Andreas Thomas allerdings glaubt, dass Türkgücü eine „relativ entspannte“ Saison bevorstehe. Alles andere würde ihn überraschen.