Neuigkeit

Vergängliche Kraft

Claudemir Jerônimo Barreto, Rufname Cacau.

(Foto: OH)

Aufstieg in die dritthöchste Liga, Insolvenz, Neuaufbau: Türkgücü war schon immer ein Klub zwischen Euphorie und Ernüchterung.

Seit nunmehr acht Jahren gehören sie zusammen, die türkischen Vereine Türk SV 1975 München und SV Ataspor. Und womöglich klappt es ja tatsächlich noch vor dem zehnjährigen Bestehen des fusionierten SV Türkgücü-Ataspor München mit dem Aufstieg in die Bayernliga. Eine Spielklasse, die diejenigen, die dem türkischen Fußball in München schon lange anhängen, aus früheren Zeiten kennen: Unter dem ehemaligen Löwen-Kapitän und späteren Hachinger Funktionär Peter Grosser gelang dem in den Siebzigerjahren von Gastarbeitern gegründeten SV Türk Gücü („türkische Kraft“) im Jahr 1988 der Aufstieg in die damals drittklassige Bayernliga. Nach Türkiyemspor Berlin waren die Münchner der zweite Migrantenverein in Deutschland, der in die höchste Amateurliga vordrang. Vier Jahre lang hielt sich der Klub dort und klopfte sogar mehr oder weniger energisch an die Tür zum Profifußball – und das vor dem Hintergrund der damals noch geltenden Ausländerbeschränkung von nur zwei Nicht-Deutschen, die in einer Elf stehen durften. Vor allem die Derbys gegen den TSV 1860 München waren Ereignisse, zu denen bis zu 12 000 Zuschauer ins Grünwalder Stadion kamen, wo nicht nur Sechzig, sondern auch Türk Gücü damals seine Heimspiele austrug, während die Bayern-Amateure ins Dantestadion ausweichen mussten. Teilweise wurden die Spiele live im türkischen Fernsehen ausgestrahlt, die Popularität des Klubs war enorm.

Nach dem zweiten Abstieg aus der Bayernliga 1996 schwand die Euphorie allerdings rasch. Durch das Satellitenfernsehen konnten Türken in Deutschland ihre Lieblinge aus der Heimat auch hierzulande verfolgen, das Interesse an einem Amateurklub wie Türk Gücü hielt sich in Grenzen. 2001 musste der Verein, der Spieler wie den späteren deutschen Nationalstürmer Cacau, Löwen-Torjäger Bernhard Winkler, den türkischen Nationalspieler Volkan Yaman oder den WM-Helden von 2002, Ilhan Mansiz, hervorgebracht hatte, Insolvenz anmelden. Später gründete er sich als Türk SV 1975 neu – und kam doch nicht wie zuvor auf die Füße. Erst die Fusion mit dem SV Ataspor, der 1981 von abtrünnigen Türk-Gücü-Funktionären gegründet worden war, half dem türkischen Fußball in München wieder in die Spur.

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/muenchen/sport/fussball-landesliga-vergaengliche-kraft-1.3568241

Text: Stefan Galler

Bild: OH