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Zurück im Licht

Entschuldigung, das musste sein: Türkgücüs dreifacher Torschütze Pablo Pigl (links) mit Kotterns Torhüter Tobias Heiland. (Foto: Claus Schunk)

 

Der hoch ambitionierte Aufsteiger SV Türkgücü München bezwingt in Heimstetten den TSV Kottern mit 4:1 Toren und feiert nach der Niederlage am ersten Spieltag seinen ersten Saisonsieg in der Bayernliga.

Von Christian Bernhard, Kirchheim

Auf den Feldern rund um Kirchheim zog am Mittwochabend die Sonne die meisten Blicke auf sich. Wie sie sich als beeindruckender Feuerball Stück für Stück senkte, nachdem sie zuvor gezeigt hatte, was sie Mitte Juli auch noch am frühen Abend imstande ist zu leisten. Sie war so stark, dass Andreas Pummer sich 90 Minuten lang neben der Auswechselbank verschanzte, um ihr nicht völlig ausgeliefert zu sein. Das Plexiglas-Dach der Bank bescherte ihm etwas Schatten, den er dankend annahm.

Grund zum Verstecken gab es für Trainer Pummer und den SV Türkgücü-Ataspor München keinesfalls.: 4:1 (3:0) bezwang der SV am zweiten Spieltag der Bayernliga-Süd den TSV Kottern und machte die Auftaktniederlage in Pullach wett. Das erste Bayernliga-Heimspiel seit 1996, das Türkgücü wie alle anderen in den Sportpark Heimstetten führte, weil die eigene Anlage an der Heinrich-Wieland-Straße nicht bayernligatauglich ist, war beeindruckend. Pummer sprach von einer “tadellosen Leistung” – alle Mannschaftsteile hätten bei sehr hohen Temperaturen auch perfekt funktioniert: “Es schaut schon sehr, sehr gut aus, was die Jungs momentan abliefern”, steigerte er nochmals.

Speziell in der erste Hälfte zeigte der hoch eingeschätzte Aufsteiger, zu was er fähig ist. Teammanager Kadir Alkan gefiel neben dem gelungenen Positionsspiel auch die Flexibilität seiner Spieler: “So hat Kottern keinen Zugriff bekommen.” Türkgücü ließ den Ball von Beginn an kontrolliert durch die eigenen Reihen laufen, tat sich anfangs jedoch trotz des vielen Ballbesitzes schwer, in den gegnerischen Strafraum zu kommen. Das änderte sich aber bald. Stefan De Prato, der für Menelik Ngu Ewodo in die Startelf gerückt war, vergab nach einem Ballverlust der Allgäuer die große Chance zum 1:0 (12.). Nur sechs Minuten später führte Türkgücü sogar mit 2:0. Zuerst hatte Pablo Pigl nach feinem Zuspiel von Luka Odak den Ball trotz des heranfliegenden Gäste-Torhüters ins Tor gegrätscht (16.), dann erhöhte Innenverteidiger Christoph Rech nach einem Freistoß per Kopf auf 2:0 (18.), da Kotterns Torwart Tobias Heiland auf halbem Weg zwischen Torlinie und Gegner zögerte. Pigl bekam für sein erstes Tor ein Extra-Lob von Pummer. Das sei eine “Willenssache” gewesen, betonte der Trainer, “andere wären weggesprungen, wenn der Torwart so rauskommt.”

Kotterns Trainer Esad Kahric stand im Gegensatz zu Pummer mitten in der Sonne und hielt sich die rechte Hand schützend vors Gesicht. Nur einmal setzte er sich in der ersten Halbzeit auf die Werbebande, auf dem Weg dorthin gestikulierte er enttäuscht mit seinen Händen.

Türkgücü-Manager Kadir Alkan ist sauer, dass sein Team nicht im Grünwalder Stadion spielen darf

Es war das Symbol der Unbeholfenheit seiner Mannschaft vor der Pause – und das Signal, nach etwa 30 Spielminuten einen Teil seiner Auswechselspieler zum intensiven Warmmachen zu schicken. Zu Beginn der zweiten Hälfte brachte Kahric zwei neue Spieler, da war die Partie allerdings schon vorentschieden, denn Pigl hatte per Abstauber noch vor dem Halbzeitpfiff das 3:0 erzielt (41.). “Hochverdient” sei der Sieg der Gastgeber gewesen, sein Team habe zu viele Fehler begangen, sagte Kahric. Nur in den ersten 20 Minuten der zweiten Halbzeit habe sich sein TSV stark präsentiert, der Lohn war das 1:3 von Sezer Yazir gleich nach Wiederanpfiff (46.). “Da waren wir noch nicht ganz auf dem Platz”, erklärte Pummer das “einzige Haar in der Suppe”.

 

Nach dieser Druckphase der Gäste erholte sich Türkgücü bald wieder und spätestens nach Pigls drittem Treffer zum 4:1 (74.) war die Partie entschieden. Odak (77.) und erneut Pigl (86.) verpassten noch weitere gute Möglichkeiten, Alkan war trotzdem mit der Chancenverwertung zufrieden. Das Spiel sei ähnlich wie das erste in Pullach gewesen, sagte er, “diesmal haben wir unsere Chancen aber genutzt”. Maximilian Siebald, der verletzte Kapitän des nächsten Türkgücü-Gegners Ismaning, bekam das auf der Tribüne mit.

Wäre da nicht der “Clinch mit dem Sportamt München”, wie Alkan sagt, hätte es beim ersten Türkgücü-Auftritt in Heimstetten nichts auszusetzen gegeben. Der Team-Manager spricht von “extremen Problemen”, die der Verein mit der Stadt habe. Diese habe ihm im vergangenen Sommer eine indirekte Zusage gegeben, dass der Klub im Grünwalder Stadion spielen könne. Im Mai habe sie diese revidiert, sagte Alkan, der sich kurzfristig auf die Suche nach einer neuen Spielstätte machen musste: “Das ist für uns nicht nachvollziehbar.” Bald schon trainiert Türkgücü womöglich auch im Heimstettener Sportpark, denn auf der heimischen Anlage im Münchner Osten gibt es kein Flutlicht. “Wir sind sehr zuversichtlich”, sagte Alkan diesbezüglich. Das kann der Teammanager nun auch sportlich sein.